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Prof. Dr. Emil Kautzsch

Textbibel

Das Alte Testament

Das Buch Hiob.

Kapitel 19.

Hiobs Antwort.

1 Hiob antwortete und sprach:
2 Wie lange wollt ihr mich kränken
und mich mit Reden zermalmen?
3 Schon zehnmal nun beschimpftet ihr mich
und schämt euch nicht, mich zu mißhandeln!
4 Und habe ich auch wirklich mich vergangen,
so bleibt doch mein Fehltritt mir allein bewußt.
5 Wollt ihr euch wirklich über mich erheben,
so bringt mir den Beweis für meine Schande!
6 Erkennet doch, daß Gott mich gebeugt
und mich mit seinem Netz umzingelt hat.

7 Fürwahr, ich schreie "Gewalt!" und finde keine Erhörung;
ich rufe um Hilfe, doch da giebt's kein Recht.
8 Meinen Weg hat er vermauert, daß ich nicht hinüber kann,
und über meine Pfade breitet er Finsternis.
9 Meiner Ehre hat er mich entkleidet
und mir die Krone vom Haupte genommen.
10 Er wirft mich nieder ringsum, daß ich dahinfahre,
und reißt gleich einem Baume meine Hoffnung aus.
11 Er läßt seinen Zorn wider mich entbrennen
und achtet mich seinen Feinden gleich.
12 Allzumal rücken seine Scharen heran,
schütten ihren Weg wider mich auf
und lagern sich rings um mein Zelt.
13 Meine Brüder hat er von mir entfernt,
und meine Freunde sind mir ganz entfremdet.
14 Meine Verwandten bleiben aus,
und meine Bekannten haben mich vergessen.
15 Die Genossen meines Hauses und meine Mägde achten mich für einen Fremden,
zum Ausländer ward ich in ihren Augen.
16 Rufe ich meinen Sklaven, so antwortet er nicht,
mit meinem Munde muß ich zu ihm flehen.
17 Mein Atem ist zuwider meinem Weibe,
und mein Gestank meinen leiblichen Brüdern.
18 Selbst die Kleinen verachten mich;
will ich aufstehn, verspotten sie mich.
19 Alle meine Vertrauten verabscheuen mich,
und die ich liebte, haben sich gegen mich gekehrt.
20 An meiner Haut und meinem Fleisch klebt mein Gebein,
und nur mit meiner Zähne Haut bin ich entronnen.

21 Erbarmt euch mein, erbarmt euch mein, ihr meine Freunde,
denn Gottes Hand hat mich getroffen!
22 Warum verfolgt ihr mich wie Gott
und werdet nicht satt, mich zu zerfleischen?
23 Ach, daß doch meine Worte aufgeschrieben,
auf eine Tafel eingezeichnet würden,
24 mit Eisengriffel und Blei, für ewig in den Fels gehauen!
25 Ich aber weiß, daß mein Erlöser lebt,
und als letzter wird er auf dem Staube sich erheben.
26 Und nachdem meine Haut also zerschlagen ist,
und ledig meines Fleisches werde ich Gott schauen!
27 Ich werde ihn schauen mir zum Heil;
ja, meine Augen sehen ihn, und nicht als Gegner:
mein Herz verzehrt sich in meiner Brust!
28 Wenn ihr nun sagt: "Wie wollen wir ihn verfolgen!"
und in mir sei der Sache Grund zu finden,
29 so fürchtet euch vor dem Schwert -
denn das sind Schwertesverschuldungen! -
damit ihr erkennet, daß es ein Gericht giebt.